Webdesign-Allendoerfer.de

Die Zukunft der Suchmaschinenoptimierung

Angestoßen von seo-united.de, die in ihrem Blog eine kleine Umfrage über die Zukunft des SEOs gestartet haben, möchte ich die Gelegenheit nutzen meine Blog-Faulheit zu überwinden und mich einmal zu diesem Thema äußern.

Die SEO-Branche sieht jede Änderung im Ablauf der Internetsuche zunächst als Gefahr und prophezeit den Untergang. Es wird dabei nicht beachtet, dass sich am Prinzip der Suche wenig ändert: Es werden zuvor gecrawlte und indexierte Seiten nach Relevanz sortiert. Ein SEO wird beauftragt, um bei gewinnbringenden Suchanfragen möglichst relevant eingestuft zu werden.

Es wird also einen Bedarf an SEO geben, da es nicht absehbar ist, dass Suchmaschinen wie Google stark an Einfluss verlieren. Man muss sich der Tatsache bewusst sein, dass Suchmaschinen alles daran setzen ein attraktiver Besucherlieferant zu bleiben. Diese Besucher sind natürlich für jedes Unternehmen interessant – so interessant, dass SEOs nicht durch Webdesigner oder SMO-”Experten” ersetzt werden.

Dennoch lässt sich nicht leugnen, dass sich der Alltag eines Suchmaschinenoptimierers wandelt. War früher stupides spammen angesagt, führt das heute lange nicht mehr zu den gewünschten Rankings.

3 SEO-Trends

Ich sehe im SEO im Grunde 3 Trends. Die letzten beiden sind dabei eng miteinander verbunden.

  1. Universal Search

    Die SERPs beantworten immer mehr Suchanfragen direkt und auf einen Blick.

    Suche ich einen günstigen Computer, liefern mir Googles Shopping-Ergebnisse direkt eine Auswahl an Produkten. Ich kann mich für einen Händler entscheiden, ohne zuvor ein Vergleichsportal besucht zu haben.

    Möchte ich stattdessen meinen Computer lieber bei einem lokalen Händler kaufen, da mir die persönliche Beratung besonders wichtig ist, zeigt mir das neue Google Places die gleichen übersichtlichen Ergebnisse an, wie es ein Online-Telefonbuch täte.

    All dies findet innerhalb der normalen Google Suche statt: Egal ob Bilder, Produkte, Adressen, Bücher – selbst wissenschaftliche Arbeiten werden dem Suchenden ansprechend präsentiert um dessen Problem möglichst schnell zu lösen.

    Was bedeutet das für SEO?

    Für mich als SEO hat diese Umstellung zur Universal Search vor allem zwei Folgen:

    1. Meine Seite hat neben den organischen Rankings weitere Möglichkeiten um auf die erste Ergebnisseite zu gelangen. Je nach Inhalt kann ich in verschiedenen Universal-Search-Elementen gelistet werden. Dies bedeutet weiteres Potential im SEO. Eine Chance für Spezialisten und Full-Service-Teams aus Spezialisten.

    2. Ist meine Website nicht der Punkt, an dem der finale Mehrwert für den Besucher entsteht indem seine Bedürfnisse noch im Web (hauptsächlich Information, Entertainment usw.) oder offline (Produktlieferung, Dienstleistung) befriedigt werden, ist Google mein Konkurrent!Google möchte, dass alle Schritte, die zwischen dem Nutzer und seinem Ziel stehen, bei Google stattfinden. Kein Mensch will einen günstigen Computer suchen. Man möchte einen günstigen Computer finden.Daher werden es alle Seiten, die nur diese Suche anbieten, in Zukunft immer schwerer haben über Google Besucher zu bekommen. Für mich als SEO gibt es daher zwei Möglichkeiten: SEO aufgeben und Milliarden in Fernsehwerbung investieren um gegen Google anzutreten oder eine Möglichkeit finden, weiteren Mehrwert zu schaffen, den die Google Suche noch nicht hergibt (Testberichte, Empfehlungen usw.). Dass die meisten Websites dieser Art den zweiten Weg gehen werden, macht es nicht leichter.
  2. Social Media als Rankingfaktor

    Das Web wird zusehends sozial. Die Menschen nutzen das Internet um sich zu vernetzen und Inhalte zu teilen. Es ist anzunehmen, dass Suchmaschinen versuchen werden, Inhalte, die auf großen Social-Media-Angeboten besonders gut gelistet sind, auch innerhalb der Suchergebnisse prominenter dastehen werden. Beispielsweise könnte Google versuchen zu analysieren, wie oft ein Blogposting per Tweet verbreitet wird, wie gut ein Video auf YouTube bewertet wird, wie viele Fans eine Website auf Facebook hat oder wie oft eine Nachricht in Social-News-Portalen auftaucht. All diese Inhalte könnten natürlich in Social-Bookmark-Portalen wie delicious oder Mister Wong gespeichert werden.

    Digital Asset Optimization (DAO)

    SEO könnte daher in der Zukunft eng mit Social Media verknüpft sein. Es ist also einerseits wieder nötig möglichst gute Inhalte zu erstellen, damit diese eine hohe Verbreitung im Social Web erreichen. Ich finde kein deutsches Wort dafür, was Digital Asset Optimization im Grunde bedeutet. Im besten Denglisch würde man von einem “Buzz” oder “Hype” sprechen, den man versucht in mehreren Kanälen zu erzeugen. Jeder Kanal sollte natürlich mit dem richtigen Medium bedient werden (YouTube -> Videos, News-Portale -> News usw.).

    Also gute Suchmaschinen-Rankings über den Umweg der Social Media Optimization und des Social Media Marketings.

  3. Conversion

    Die Suchmaschinen werden in Zukunft das Nutzerverhalten direkt ins Ranking einfließen lassen, statt Backlinks als Indikator für das eigentliche Nutzerverhalten zu verwenden. Links auf eine Website sollten zeigen, dass viele Webmaster diesen Inhalt als wertvoll für ihre Nutzer erachteten. Natürlich eröffnet das Spammern viele Tore zur Manipulation. Mehr und mehr werden diese Tore geschlossen. Es fließen stattdessen bessere Indizien für Nutzerverhalten in die Bewertung mit ein. Durch die schiere Verbreitung hat Google heutzutage sehr gute Möglichkeiten das Verhalten der Nutzer im Web zu analysieren.

    Etliche kostenlose Google-Dienste liefern dazu viele wertvolle Daten: Wie lange bleiben die Besucher auf der Seite? Klicken sie weiter oder kehren sie zur Google-Suche zurück? Kaufen Sie das angebotene Produkt? Sprich: Konvertieren sie?

    Wie gesagt, sind Punkt 2 und 3 eng miteinander verknüpft, schließlich zeigen auch Bewertungen im Social Media das Nutzerverhalten.

    CRO & User Experience

    Für SEO bedeutet das schlichtweg abermals gute Inhalte und zusätzlich eine gute Seitenarchitektur. Hierfür gibt es Spezialisten für CRO (Conversion Rate Optimization) und Usability. In Zukunft werden solche Maßnahmen nicht nur mehr Gewinn aus den vorhandenen Besuchern herrausschlagen, sondern auch weitere Besucher herbeiführen, da Google die größere Nutzerzufriedenheit bemerken wird.

Ersetzen Content-Ersteller und SMO-Experten den SEO?

Nein. Der Beruf der SEO wandelt sich lediglich. Spammen funktioniert schon heute immer seltener. Die Tendenzen gehen zu wertvollen Inhalten. Allerdings werden Nutzerverhalten und Social Media nicht die einzigen Rankingfaktoren darstellen. In absehbarer Zeit werden Backlinks nach wie vor eine riesige Rolle im Google-Ranking spielen. Ich meine wie Mediadonis oder Julian von Seokratie, dass SMO und SEO zwar korrelieren, doch dass SMO alleine einfach nicht ausreicht.

Und obwohl seo-united.de Webdesigner in Zukunft die Fertigkeit zuschreibt Onpage-SEO betreiben zu können, sehe ich das wie Martin: Onpage wird unterschätzt!

Zukünftig werden sich SEOs spezialisieren. Das Rundum-Sorglos-Paket wird nur von Netzwerken oder größeren Teams abgedeckt werden können. Der SMO-Experte wird es alleine nicht bringen, es braucht – wie von Mediadonis beschrieben – einen SEO, der Social Media gezielt für SEO einsetzt, eventuell in Zusammenarbeit mit einem SMO-Heini.

Außerdem: Heute sind zukünftige Trends vor allem eines: zukünftig. Marcel von rankingCheckEine hat ganz Recht, wenn er sagt: “Links sind und bleiben erst einmal das wichtigste Rankingkriterium.” Eine ganze Weile werden wir weiterhin auf die virtuelle Jagd nach den Links gehen. Auch wenn die Trophäe zukünftig wohl eher Trust- statt PageRank heißen wird. ;-)


Abonnieren 7 Kommentare:
  1. Wer sagt, das SEO tot ist hat von SEO keine Ahnung. Keine !

  2. danke für diesen ausführlichen Artikel!
    Ich “von meinem Turm” aus, beobachte die Entwicklung der Suchmaschinen auf der Medium-Ebene: Text, statisches Bild, Bewegtbild. Bei text sind die SM schon relativ gut, bei Bild gibt es schon gute Ergebnisse und von dem “Verstehen” der Videoinhalte sind wir noch etwas weit.

  3. Sehr schöner und interessanter Artikel. Was zukünftig kommen wird, wird wohl keiner voraussagen können. Früher waren die Gelben Seiten, Das Örtliche und Das Telefonbuch das A und O, wenn man nach irgendetwas gesucht hat. Heute interessiert das fast keinen Kunden/Nutzer mehr – sondern man sucht einfach in den Suchmaschinen und hier besonders bei Google. Ob sich Google noch weitere paar Jahre hält, sehen wir ja. Jetzt kommt meines Erachtens mehr und mehr das mobile Zeitalter und da ist die Frage, welchen Dienst die meisten Nutzer hier nutzen werden? Wir werden sehen. Ich bin jedenfalls sehr gespannt, ob sich Google hier auch weiter behaupten oder ob es einen neuen Player geben wird?

  4. @SEOnaut: Richtig. :D

    @Waldemar: Wobei Bildinhalte nicht wirklich verstanden werden, sondern deren Bedeutungen lediglich aus den umliegenden Textbausteinen assoziiert werden. Klar, dass das bei Videos + Tags nicht so einwandfrei funktioniert.

    @ThaysenF: Das mobile Web ist natürlich besonders interessant. Ich finde hier spannend, dass Online- und Offline-Business aufeinander trifft. Die Frage ist, welchen Teil des Umsatzes kann das Online-Business für sich beanspruchen.
    Beispiel: Fahrkartenkauf: Hilft die App nur durch Information und spart so Personal am Schalter oder spart die App direkt den gesamten Schalter + Automaten, da das Handy fortan als Fahrkarte gilt?

  5. Hi Simon,
    thx, schöner und sehr fundierter Artikel. Für mich ist auch ganz klar, dass man sich nicht immer nur auf “seine” Disziplin beschränken sollte. Vielmehr wird das Zusammenspiel aller Disziplinen im Internet Marketing immer wichtiger. Immer üner den Tellerrand schauen!
    BG,
    Marcel

  6. Ach Gott, er lebt auch hier noch und nicht nur in Twitter :D Welcome back!

    Dass Suchmaschinen zukünftig das Nutzerverhalten via SM einfließen lassen, sehe ich nicht so. Einfach weil ich glaube, dass die das nicht können – jedenfalls nicht so wie immer alle annehmen (befürchten).

    Natürlich können Sumas Twitter oder Facebook berücksichtigen aber es werden eben nur ein paar wenige kleine “Nadelstiche” sein, die am Ende der SEO-Nahrungskette einen Ausschlag geben können.

    Alles was davor kommt (und damit essentiell ist), werden meiner Meinung nach zwei Bereiche sein. Erstens nach wie vor die Links. Und zweitens die Traffic-Quellen. Kommen Besucher nur über Sumas oder tatsächlich über echte Verweise? Beispielsweise ergibt die konsequente Verbindung von Online Aktivitäten mit Offline Aktionen ein völlig anderes Traffic-Bild als eine “nur” SE-Optimierte Seite.

    Wobei wir ja dann irgendwie wieder bei den Links sind, die sich daraus ergeben. Ich glaube deshalb, dass die “Entstehungsgeschichte” von Links zukünftig eine große Rolle spielen wird.

    Google mag ja zum Beispiel keine Affiliate Seiten. Was wäre besser geeignet, Affiliate Sites zu erkennen, als die Entstehungsgeschichte der Links stärker zu gewichten. Da eine Affiliate Seite nun mal keinen Mehrwert bietet, bekommt sie naturgemäß auch weniger Links aus dieser Richtung (Lieferanten, Partner, Presse, Städte und Gemeinden, etc..).

    Die Zukunft der SEO wird also darin liegen, dass die Offline Welt mit der Online Welt viel enger verknüpft wird. Denn (ich weiß, ich wiederhole mich) es gibt im Internet nichts, was es “draußen” nicht schon seit Jahrzehnten oder gar seit Jahrhunderten gibt.

    Wenn überhaupt, dann darf man nicht vom Tod von SEO sprechen, sondern von deren Geburt ;-)

    PS: ich hoffe, Du schreibst jetzt wieder öfter hier Du Faulpelz :D )

  7. Das was du da schreibst, ergibt sehr viel Sinn. Google möchte die Seiten gut listen, die auch von Menschen im realen Leben empfohlen worden wären. Der einzige Haken: Überträgt man das reale Leben ins Internet, landet man bei Social Media.

    Und Suchmaschinenbetreiber haben genügend Kapital um sehr wohl die Fähigkeit zu erlangen, dies zu analysieren.
    Vgl.: Google und Bing

Kommentieren

Über Gravatar kannst du einen Avatar verwenden.
Kommentare kannst du über den RSS-Feed verfolgen.